Was ist eigentlich das Ablaufdatum?

Ist das noch gut? Kann ich das noch essen? Diesen Fragen ist das Naturhistorische Museum Wien nach gegangen und hat dem Thema eine Sonderausstellung gewidmet.

Und ich bin wirklich richtig stolz und unendlich dankbar dort mitgewirkt zu haben. Gemeinsam mit Dr. Claudia Nichterl (Akademie für integrative Ernährung) durfte ich meine Erfahrung in der Haltbarmachung von Lebensmitteln einbringen. Do it yourself in der Küche ist gerade sehr beliebt. Ein Trend! Ja! warum? Ist es Nostalgie, ist es tatsächlich ein rückbesinnen auf das Erhalten wertvoller Lebensmittel?

Was ist es, warum nun so viele einkochen möchten, Marmeladen und Kompotte und Sauerkraut herstellen wollen? Ich sehe das als sehr positive Wende – ich weiß es ist keine echte Wende, denn die Lebensmittelindustrie boomt nach wie vor. Und dennoch bin ich jedem einzelnen dankbar, wenn er sich um sein eigenes Essen kümmert – das ist keineswegs selbstverständlich.

Einkochen und fermentieren sind einfache und schnelle Lösungen, um wertvolle Lebensmittel – wenn man mal zu viel eingekauft hat schnell zu verwerten.

Übrigens: zuviel eingekauft ist der Hauptgrund dafür, dass Lebensmittel weggeworfen werden. Nimmt man die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittel unter die Lupe, so zeigt sich das dramatische Ausmaß der Verschwendung. Sie beginnt in der Landwirtschaft und endet im privaten Haushalt. Jeder Österreicher wirft im Jahr 133 kg Lebensmittel weg. Das entspricht einem Wert von 250 bis 800 Euro! Ich sag nur so eine Schande! Dabei ist vieles noch gut – Wusstest du, das Salz kein Ablaufdatum hat und Honig unbegrenzt haltbar ist. Joghurt noch Monate nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum gegessen werden kann?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum, umgangssprachlich oft als Ablaufdatum bezeichnet, ist nur einer von vielen Faktoren für den Verlust von Lebensmitteln. Zumeist bleiben sie über dieses Datum hinaus genießbar, doch der Handel entsorgt die Ware in der Regel bereits vor diesem knapp bemessenen Datum, um Platz für Neues zu schaffen.

Oft gelangen jedoch Obst und Gemüse, obwohl von ausgezeichneter Qualität, aufgrund von willkürlich festgesetzten Handelsnormen gar nicht bis zum Konsumenten, sondern müssen bereits in der Landwirtschaft vernichtet werden. Das berüchtigte „Diktat des Handels“ zeigt, dass private Normen oft strenger sind als jene des Staates.

Mindesthaltbarkeitdsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf verpackten Lebensmitteln gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem dieses Lebensmittel bei richtiger Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften, beispielsweise Geruch oder Geschmack, behält. Wurde die original verschlossene Verpackung richtig gelagert, sind Lebensmittel mit überschrittenem MHD häufig noch gut zu genießen und nicht automatisch verdorben. Allerdings sollte man sich grundsätzlich – auch vor Ablauf des MHD – davon überzeugen, dass sie noch nicht verdorben sind. Bei untypischem Aussehen, Geruch, Geschmack oder Konsistenz sollten Sie das Produkt wegwerfen.

Grundsätzlich werden die Haltbarkeitsfristen von den Herstellern der Produkte in Eigenverantwortung festgelegt. Sie halten sich dabei zumeist an die so ge­nannt­en Handelsbräuche. Das sind untereinander getroffene Vereinbarungen, die festlegen, wie lange Fristen produktspezifisch bemessen sein sollen. In wenig­en Fällen werden die Angaben auch direkt durch ein Sach­ver­ständig­en­gre­mium, die Lebensmittelcodexkommission, bestimmt und im Lebens­mittel­buch festgeschrieben.

Die Ausstellung prangert nicht an – sondern sie bietet Möglichkeiten an, um der Lebensmittelverschwendung zu begegnen – jeder kann seinen Beitrag dazu leisten.

Cool finde ich nach wie vor die Gurkengläser.

Lagerregal mit Fementen und eingekochten Gläsern, präsentiert im Naturhistorischen Museum in Wien
“typisches Kellerregal”

In großen – echten Gurkengläsern wird in 4 Filmen gezeigt – wie 4 populäre Methoden zur Lebensmittelrettung funktionieren. … die Filme wurden mit mir in meiner Küche gedreht.

Lebensmittel trocknen

Das Prinzip des Trocknens ist heute so einfach wie vor 1000 Jahren. Mikroorganismen brauchen als Lebensgrundlage Wasser – das wird beim Trocknen entzogen. Bei einem Wassergehalt unter 4 % ist ein Lebensmittel nahezu unbegrenzt haltbar. Das wussten bereits die „alten“ Jäger und Sammler. Pflanzen, Früchte, Samen, Wurzeln, Pilze, Fleisch und Fisch wurde über Feuer oder in der Luft getrocknet. Diese einfache Methode ist einfach durchführbar und ideal für Obst, Pilze oder Kräuter.

Lebensmittel einkochen

Einkochen wie bei Oma – alle lieben es! Kompott, Apfelmus, Röster, Marmeladen und eingekochte Gemüse (z.B. Senfgurken) wecken im Winter Erinnerungen an den Sommer. Johann Weck machte Einkochen vor über 100 Jahren populär und prägte den Begriff „einwecken“, später auch einrexen. Bei Marmelade konservieren der enthaltene Zucker und das Geliermittel (meist Pektin), weil den Mikroorganismen Wasser als Lebensgrundlage entzogen wird. Kompotte und Gemüse werden zweimal erhitzt (gekocht und pasteurisiert oder gekocht und sterilisiert). So entsteht eine Konservierung unter Luftabschluss und der Vorrat ist sicher für den Winter.

Lebensmittel fermentieren

Wilde Fermentation ist die einfachste Methode, um Gemüse traditionell haltbar zu machen. Bakterien spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie nehmen sich die Faser- bzw. Ballaststoffe vor und verstoffwechseln diese – dabei entstehen Milchsäure und weitere gesundheitsfördernde Stoffe.  Außerdem produzieren die Bakterien CO2 – kleine Luftblasen entstehen – es blubbert. C02 und Milchsäure geben dem Ferment den besonderen „brizzelnden“ Geschmack. Die saure Salzlake des Ferments schließt aus, dass sich Verderbnis-Erreger ansiedeln können – das Gemüse ist haltbar.

Vorkochen oder Meal Preap

Einkochen oder vorkochen für die nächsten Tage heißt neumodisch Meal Preap. Eine alte Methode, die wertvolle Zeit im Alltag spart. So geht es: Suppe, Sugo, Eintopf in größerer Menge vorkochen. Heiß in Einmachgläser einfüllen, oder gleich darin backen (z.B. Kuchen im Glas), verschließen, rasch abkühlen und im Kühlschrank aufbewahren so hat man schnell eine hochwertige Mahlzeit bei der Hand. Gesundes „Fast Food“ zum Mitnehmen oder für eine schnelle Mahlzeit beim Heimkommen.

Um Mealprep richtig zu leben – haben wir einen Wochenspeiseplan entwickelt. Für eine ganze Woche – inklusive Rezepten und Einkaufsliste – lauter einfache und köstliche Rezepte. Hole ihn dir gerne hier ab!

….ja und wenn die Museen wieder öffnen gibt es ganz tolle Führungen mit Workshops und Vorträgen.

Bis dann im Museum!

Temperamentvolle Grüße. Schön, dass Du da bist!

Michi

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