Das nährende Prinzip von Kälte & Feuchte
In der Traditionellen Europäischen Medizin steht der Phlegmatiker für das nährende Prinzip. Phlegma, die feuchte, kühlende Qualität ist jene Substanz, die nährt und schützt. Sie findet sich bildlich im Bindegewebe, im Fett, im Knochenmark und im Gehirn.
Die phlegmatischen Lebensphasen
Kaum ein anderes Temperament ist so eng mit den großen Übergängen des Lebens verbunden wie das phlegmatische. Fünf Lebensphasen sind besonders von ihm geprägt: die Säuglingszeit, Schwangerschaft und Stillzeit, der frühe Übergang ab dem 40. Lebensjahr im Zeichen der Perimenopause und schließlich die letzte Phase des Lebens: kurz vor dem Tod.
Der Phlegmatiker, oder besser gesagt die Phlegmatikerin, ist damit eindeutig dem lunaren, weiblich-nährenden Prinzip zugeordnet.
„Phlegma steht für das nährende Prinzip. Es muss bewegt und geformt werden, um zu nähren, und darf nicht erstarren.“
Körperlich zeigt sich das phlegmatische Prinzip zum Beispiel durch einen sanften, rundlichen Körperbau, vollen Lippen, fleischige Händen.
In der heutigen Zeit wird „phlegmatisch“ oft mit Trägheit gleichgesetzt. Die TEM zeichnet ein anderes Bild. Der Phlegmatiker ist ruhig, beständig und stressresistent. Er wirkt bedächtig, sachlich und selbstsicher. Nichts bringt ihn so leicht aus dem Gleichgewicht. Einmal in Bewegung gesetzt, ist der Phlegmatiker nicht zu stoppen und verfolgt konsequent sein Ziel.
Gewinner der Eiszeit
Phlegmatiker gelten in der Traditionellen Europäischen Medizin als Überlebenskünstler. Sie sind angepasst an Lebensbedingungen, in denen Nahrung nicht ständig verfügbar war. Eine Eigenschaft die ihnen in unserer heutigen Überflusszeit jedoch zunehmend Schwierigkeiten bereitet.

Die TEM sieht vieles bildlich, so wird die Phase, in der sich Phlegmatiker entwickelt haben in der Eiszeit gesehen. Sie folgten den Mammutherden, erlegten und aßen, was da war. Dann war Essen wieder rar – Wurzeln, Rinden und Flechten, mehr gab es wohl sonst nicht in dieser kalten Zeit. So wechselten sich lange Essenspausen mit Phasen des “Mammut-Überflusses” ab. Aus der Not heraus, lernten sie, alles was gegessen wurde, sorgfältig zu speichern.
Phlegmatiker sind somit auch heute noch Meister der Verwertung. Ihre Verdauung ist darauf ausgelegt, alles zu speichern, was gerade nicht gebraucht wird. In Zeiten des Mangels war das ein entscheidender Überlebensvorteil. Nach Phasen der Fülle folgten selbstverständlich Karenzzeiten – Fasten! Diese Pole “Fasten & Essen” gehörten immer zusammen.
Genau darin liegt die ursprüngliche Stärke des phlegmatischen Prinzips: Es kann speichern!
„Heutiges Drame: Das Mammut sitzt täglich im Kühlschrank 🙂
In der modernen Welt ist genau dieser Rhythmus verloren gegangen. Das Nahrungsangebot ist konstant, Pausen werden übergangen. Phlegmatiker resorbieren weiterhin intensiv und speichern, was nicht unmittelbar gebraucht wird – und das meist in den Fettzellen. Hauptproblem: Das Mammut sitzt heute täglich im Kühlschrank und die Essenspausen bleiben aus. Die Speicher sind überfüllt -Schwere & Trägheit sind die Konsequenz.
Entscheidend ist der Umgang mit dem Übermaß. Zu große Portionen, zu häufiges Essen und eine gleichzeitige Passivität schwächen das phlegmatische Verdauungsfeuer. Besonders belastend wirken schwere, fettige Speisen, Frittiertes, Pilze, stark kühlende und saure Lebensmittel, Milchprodukte, Fisch sowie schnelle Kohlenhydrate wie Mehlspeisen, Weißgebäck und Süßigkeiten. Auch Fleisch sollte bewusst gewählt werden. Schwein und Kalb sowie sehr fettreiche Klassiker wie Gans und Ente gehören nicht in den Alltag – Ausnahmen zu besonderen Anlässen haben ihren Platz.
Bewegung und Ruhe im Rhythmus
Für den Phlegmatiker ist Rhythmus, Wärme, Struktur und Bewegung lebenswichtig. Zu viel, zu häufig oder ohne Pause führt nicht zu mehr Kraft, sondern zu Stau.
>>> Regelmäßige Essenspausen, bewusstes Fasten und klare Mahlzeitenstrukturen sind für Phlegmatiker eine notwendige Regulation.
Tipps für Fastenzeiten - gut für Phlegmatiker findest du direkt hier
Wenn Essen und Essenspausen wieder ihren natürlichen Rhythmus finden, wird Phlegma zu dem, was es im besten Sinne ist: eine tragende, nährende Kraft, die Stabilität, Ruhe und Verlässlichkeit schenkt.

Was Phlegmatikern gut tut
Um das phlegmatische Prinzip im Gleichgewicht zu halten, braucht es Wärme, Trockenheit und Bewegung. Das Kalte und Feuchte soll nicht verdrängt werden, sondern bewegt. Wärmende, gekochte Speisen, aromatische Kräuter und Gewürze, ein fixer Tagesrhythmus und regelmäßige körperliche Bewegung bringen das Phlegma in Fluss.
Sport, der zur Erwärmung führt, aktives Denken – all das belebt den Stoffwechsel und den Lebensgeist. Ernährung, Bewegung und Rhythmus greifen hier ineinander. Erst in dieser Kombination kann sich das phlegmatische Temperament von seiner besten Seite zeigen: ruhig, genährt, stabil – und zugleich lebendig.
“Nach dem Essen sollst du ruhen oder 1000 Schritte tun” – ein bekanntes Sprichwort, das für Phlegmatiker so nicht ganz gültig ist. Während andere Temperamente nach dem Essen ruhen können, darf sich der Phlegmatiker bewegen :).
Doch eigentlich gilt für den Phlegmatiker als oberstes Prinzip, sich VOR dem Essen zu bewegen, klappt das nicht – dann auf jeden Fall nach dem Essen.
Bewegung vor dem Essen, ist der Jagd nach dem Mammut ähnlich. Ein ein zügiger Spaziergang an der frischen Luft, ein paar Stiegen, rund tausend Schritte reichen aus, um das Phlegma in Bewegung zu bringen und die Verdauung anzukurbeln.

Kardinalpflanzen für Phlegmatiker: Hollunder und Sellerie inkl. Rezepte
Knollensellerie wirkt öffnend und phlegmazerteilend.
Mit ihrer warm-trockenen Qualität bringt die Knollensellerie Bewegung in ein zu kaltes, feuchtes System und hilft, Stauungen zu lösen. Besonders Leber, Milz, Nieren und Schleimhäute profitieren von der reinigenden Wirkung. Für Phlegmatiker ist Sellerie ideal, wenn sie gut gekocht wird: als Suppe, Püree oder sanft gebraten. Roh belastet sie die Verdauung und sollte gemieden werden.
Wärmend zubereitet unterstützt Sellerie den Stoffwechsel, öffnet die Säfte und bringt das Phlegma wieder ins Fließen
Rezept: Selleriegulasch für Phlegmatiker
für 2 Portionen: 300 g Rindfleisch aus der Schulter, 400 g Knollensellerie, 1 EL
Tomatenmark, 1 EL Öl, ½ Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 500 ml Gemüsesuppe,
1 EL Rosinen, 1 Zweig Rosmarin, 1 Lorbeerblatt, Salz, Pfeffer, 2 TL
Paprikapulver edelsüß, Zitronenabrieb und -saft, 2 Erdäpfel, frische
Kräuter
Fleisch und Sellerie in 1-2 cm große Stücke schneiden und mit Tomatenmark
in Öl anbraten. Zwiebel und Knoblauch würfeln, zugeben und glasig
dünsten. Mit Gemüsesuppe aufgießen. Rosinen, Rosmarin, Lorbeerblatt,
Salz, Pfeffer, Paprika und Zitronenabrieb zugeben und ca. 40 Minuten
schwach köcheln lassen. Erdäpfel in Würfel schneiden, zugeben und
kochen, bis sie weich sind. Mit Zitronensaft abschmecken und mit frischen
Kräutern garniert servieren.

Eine Nachspeise gibt es auch für Phlegmatiker, die Süßes oft lieben und sich möglicherweise heimlich an der Naschlade zu schaffen machen: Hollerkoch
Holunder tut Wunder
Schwarzer Holunder wirkt wärmend, trocknend und phlegmareinigend. Besonders für Phlegmatiker ist er ein wertvolles heimisches Heil- und Superfood, da er Stoffwechsel und Immunsystem stärkt und stagnierende Säfte in Bewegung bringt. Die Blüten reinigen das Blut, stärken den Magen und beleben die Lebensgeister, die gekochten Beeren wirken entgiftend und ausleitend. Wichtig: Holunderbeeren stets gut erhitzt verarbeiten! Richtig zubereitet unterstützt Holunder den phlegmatischen Stoffwechsel und fördert Leichtigkeit und Widerstandskraft.
Für das Hollerkoch kochst du Holunderbeeren (abgezupft, von den Stielen befreit) mit etwas Wasser, Zimt, Gewürznelken, Zwetschken und Birnenstückchen 30 bis 40 Minuten lang, damit alle Toxine des Holunders zerstört sind. Dieses Kompott kannst du vorbereiten. Koch es, wenn die Holunderbeeren reif sind. Man kann es gut haltbar machen und über das Jahr genießen.

Was steckt aus Sicht der TEM hinter den verwendeten Lebensmitteln
und welchen Nutzen haben Phlegmatiker durch Hollerkoch?
- Holunderbeeren sind warm und trocken, öffnen Leber und Milz, reinigen, treiben kalte Feuchte aus, wirken auflösend und straffend.
- Birnen wirken je nach Sorte darmreinigend, magenstärkend oder befeuchtend und kühlend – alle Sorten unterstützen das Phlegma
Fazit 6 TEM-Prinzipien für Phlegmatiker
Entscheidend sind Maß, Wärme, Rhythmus und Bewegung. So bleibt das Phlegma fließfähig und nährend und Phlegmatiker kommen in ihre natürliche Stabilität und Kraft.
- Essenspausen einhalten
Fasten und längere Tasgesphasen des “Nicht-Essen” gehören zum natürlichen Rhythmus des Phlegmatikers. - Maß statt Überfluss
Portionsgrößen und den idealen Teller bewusst einhalten. Süßes und Fettiges selten. - Gekocht & gewürzt essen
Wärmende und gut gegarte Speisen 2-3mal am Tag – ob gekocht, gedünstet oder geschmort. Kraftvoll gewürzt entlasten sie die Verdauung und halten das Phlegma beweglich. - Bewegung
Ein kurzer Spaziergang oder rund 1000 Schritte aktivieren Verdauung und Stoffwechsel. Ausdauertraining in den Alltag integrieren und immer wieder bewusst Reize setzen. - Wärme zuführen
Wärmende Gewürze, warme Mahlzeiten und Bewegung stützen und aktivieren - Rhythmus leben
Feste Essenszeiten, Tagesstruktur und regelmäßige Bewegung geben Halt und Stabilität.
Schön, dass du da bist, auf dich achtest und dich nährst!
Michi
Eine Herzensempfehlung, wenn du dich weiterbilden möchtest, ist die TEM-Akademie, wo ich auch als Referentin immer wieder tätig bin. Details findest du hier



