Das thermodynamische Gleichgewicht

…oder was hat der Phlegmatiker mit Senf und Schwein am Hut?

Gegensätze ziehen sich an sagt man! Ob dem wirklich so ist? Oder liebst du eher die Harmonie? Ja eigentlich ist es schon schön, wenn alles im Lot ist. Doch dann bewegt sich aber auch meist nichts. Also keine Veränderung. Stillstand? Daher. Ich freue mich – meist immer 😉 – über Input. So ein Schubser von außen, von Anderen – auch wenn er provokant gesetzt ist. Das reizt mich. Bringt mich zum Nachdenken. Ins Tun. Und gibt einfach Schwung.

Nun scheint es als, wäre mir mein ursprünglich geplantes Thema kurzfristig entglitten – oder doch nicht? Eigentlich wollte ich auf die Temperaturen und deren Wirkung zu sprechen kommen. Die Temperaturen sind ein wesentlicher Faktor: beeinflussen unsere Jahreszeiten, den Tag und somit schlussendlich auch uns – dich und mich.

Die Temperamentenlehre – hier steckt ja das Wort Temperatur schon drinnen – baut auch auf Temperatur auf. Nun was bedeutet Temperatur? Was hat das mit Ernährung nach der traditionellen europäischen Medizin zu tun?

Rein wissenschaftlich betrachtet ist die Temperatur eine physikalische Größe und kennzeichnet das thermodynamische Gleichgewicht.

Dieses Gleichgewicht besagt, dass wenn zwei Körper dieselbe Temperatur haben, zwischen ihnen kein Wärmeaustausch statt findet – auch wenn sie miteinander in direktem Kontakt stehen. Haben aber beide Körper unterschiedliche Temperaturen, fließt Wärme vom wärmeren Körper zum kälteren. Genauso wärmen wir uns: Ist uns kalt, kuscheln wir uns ans Feuer, den Partner oder in eine warme Decke. Und wenn das alles nichts hilft – hilft Bewegung.

Wärme, im richtigen Ausmaß ist Leben.

Und nun zur Frage, die eng mit dem thermodynamischen Gleichgewicht einhergeht und die ich nach meinem Blogbeitrag, dem Löwenzahnhonig gestellt bekommen habe: Was bedeuten die Angabe der Grade bei Lebensmitteln?

Nun, in der traditionellen europäischen Medizin werden alle Lebensmittel, Kräuter und Heilpflanzen in Graden eingeteilt. Basis sind die 4 Primärqualitäten: warm, trocken, kalt bzw. feucht. Jedoch immer in Kombination und in 4 Graden abgestuft. „Im 4. Grad“ bezeichnet immer die stärkste Ausprägung – diese Lebensmittel werden dann meist nur noch therapeutisch, oder in ganz geringen Dosen genutzt. „Im 1. Grad“ hingegen ist die mildeste Einstufung in der jeweiligen Kategorie.

So hat zum Beispiel Senfpulver und Kren eine sehr warme und trockene Wirkung. Beide sind trocken und warm im 3. Grad.

Ich denke, wer schon mal Senfpulver oder frisch gerissenen Kren probiert hat, weiß nun was ich meine – ganz schön hitzig die 2!

Und hier kommt nun das thermodynamische Gleichgewicht wieder ins Spiel.

Genau diese thermische Wirkung von Senf und Kren wird genutzt um Lebensmittel, die thermisch betrachtet eher kühl und sehr feucht sind – wie zum Beispiel Schweinefleisch (für die die es genau wissen wollen: es ist warm im 1. Grad und feucht im 2-3. Grad – je jünger das geschlachtete Schwein , umso feuchter das Fleisch ) – zu temperieren und gut verdaulich zu machen.

Speziell der Phlegmatiker – der ganz gerne zu Schweinefleisch greift, es aber eigentlich besser lassen sollte – braucht zumindest eine dieser beiden Beigaben zu Schweinsbraten, Kümmelbraten, Würstel & Co. Für einen vernünftigen Ausgleich. Um sein Verdauungssystem zu stärken und in Bewegung zu bringen. Die kühle feuchte Nahrung macht dem Phlegmatiker ganz schön zu schaffen. Neigt er doch von Natur aus schon zu Kälte und Feuchte. So bringt der geliebte Schweinsbraten noch zusätzlich Phlegma ins System. Das macht es nicht unbedingt einfacher – auch wenn´s schmeckt.

Daher ist Kren und Senf eine beliebte Beigabe zu Schweinefleisch. Beide Komponenten bringen so richtig Schwung ins “Getriebe”. Sie sind Gegensatz. Bewegung. Energie. Wärme. Sie schaffen einen thermischen Ausgleich am Teller. Und passen auch geschmacklich einfach top dazu!

Doch egal ob du dich als Phlegmatiker, Choleriker, Sanguiniker oder Melancholiker fühlst. Gut gewürzt – temperiert – soll das Schweinefleisch generell sein: Eine kräftige Marinade bzw. ein würziger Rub aus Fenchel, Rosmarin, Ingwer, Oregano, Paprika, Thymian, Koriander, Salz und Knoblauch tut jedem Schweinderl 😉 gut.

Und genau deshalb – obwohl intuitiv wissen wir oft bestens Bescheid – haben Traditionen, Bräuche und liebgewonnene Ernährungsgewohnheiten oft ihre Berechtigung. Und ja, auch der Verdauungsspaziergang gehört da dazu.

Und alle die sich gerade denken:
Ach, ich esse doch gar kein Schweinderl!

Wie sieht es bei dir mit Joghurt oder Sojaprodukten aus? Einfach mal hinterfragen und selber spüren ob nicht eine Prise Zimt, Ingwer, Pfeffer, Chili usw. etwas mehr Schwung ins “Getriebe” bringen…

In diesem Sinne: TEMperamentvolle und herzliche Grüße
Michi

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